Intersection

Intersection...

Ein langer, dunkler Gang. Stockendes Atmen. Keine Luft. Enge. Schritt um Schritt gehe ich vorsichtig auf den Eingang zu. Heiß..., es ist so heiß hier in dem Gang. Ich kann kaum atmen! Angst und Beklommenheit verschlucken mich, drängen mich in ein tiefes, schwarzes Nichts.

Ich bleibe stehen, lausche, horche ob ich vielleicht verfolgt werde, doch nichts, nichts als beklemmende Stille. Mein Brustkorb hebt und senkt sich, doch quälend ist das Atmen, wie das anstrengende Anheben von Beton.

Kurz sammel ich meine Gedanken, sammel den letzten Rest Mut. Dann, endlich.. endlich setzen sich meine Füße in Bewegung. Barfuß, wieso habe ich keine Schuhe an? Ich bleibe erneut stehen und betaste meinen Körper. Ich habe Leinentücher um den Körper gewickelt, sanfte, weiche. In Panik hebe ich den so schwer erscheinenden Kopf, gehe, nein taumel ein, zwei Schritte und bleibe wieder stehen. Meine müden Augen ruhen auf einer Tür. Schwarz ist sie, doch dringt gleißendes Licht durch die Ritzen am Rahmen. Mein Herz pocht, mein Puls rast und fast schien es, als ob das Blut um eine Rekordzeit durch meine Adern fließt.

Das Gefühl von Beklommenheit macht sich weiter über meine Seele her, hüllt sie ein in Angst und Verzweiflung, in Unwissen.

Mit schweren Gliedern, Stück um Stück, komme ich weiter voran, weiter auf die Tür zu, immer näher komme ich und immer schwerer wird es. Dann, ganz plötzlich habe ich die Tür, nein das Tor, erreicht. Ich stehe davor, wirke wie ein Wicht vor den riesigen Flügeln. Zitternd strecke ich eine Hand aus, Neugierde schlägt sich durch das Gestrüpp aus Angst und Kummer. Seltsamerweise, als ich die Tür berühre, ist meine Hand eiskalt und nass, vom Schweiß der sich auf meinem Körper gebildet hat. Mit wenig Kraft öffne ich die Tür, blinzel in das Licht. Langsam erkenne ich Schemen, das grelle Licht brennt in meinen blauen Augen, braune Haarsträhnen kleben an meiner Stirn. Und dann... dann kann ich es sehen. Ich sehe wie Leute geschäftig hin und her laufen, Verletzte, Blut, Angst,Furcht. Ich kann alles sehen, alles fühlen. Erneut scheint mein Herz für einen Marathon zu trainieren, so schnell schlägt es. Ich stehe an der Türschwelle und kann vor Eindrücken kaum Atmen. Hier und dort liegen verletzte Menschen, ein Bus liegt auf der Seite, zerschellt an einem Laternenpfahl. Rettungsleute rufen sich Dinge entgegen, eilen den Verwundeten zur Hilfe. Doch eine Person liegt da, übderdeckt mit einem schwarzem Stoff, tot.

Ich habe Tränen in den Augen, ich fühle Schmerz, Einsamkeit, Leere und Kälte. Schlagartig verändert sich das Bild. Mit einem Mal sind Elend und Schmerz weggewischt, und eine Gestalt, im Licht der Tür, nimmt den Platz ein. Ich blinzel einmal, zweimal.. dann streckt die Person die Hand aus, hällt sie mir entgegen. "Komm, es ist an der Zeit" flüstert sie, und wie von selbst setze ich mich in Bewegung und folge dem Wink der Person. Ohne Angst, ohne Furcht, ohne Wut. Nein, ich habe es verstanden, ich muss ihm folgen, meine Zeit ist hier zuende. Meine Hand legt sich in die seine und er umschließt sie schützend. Er lächelt freundlich, nickt mir zu und gemeinsam, ohne Blick zurück verschwinden wir im gleißendem Licht.

2006, by thespian

16.6.08 00:33
 


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